Gnostiker

GNOSIS

Was ist Gnosis

 

Gib es auf, dir über Gott und Welt et cetera das Gehirn zu zermartern. Sortiere dich selbst heraus aus dir. Lerne festzuschreiben, wer derjenige ist, der alles in dir rundweg für sich reklamiert; der bestimmt: Mein Gott, mein Verständnis, mein Denken, meine Psyche, mein Körper! Lerne aufzudröseln: Woher kommen Depression und Gelöstheit, Liebe und Hass? Woher stammt die Schlaflosigkeit und das Schlafenmüssen, ohne beides zu wollen? Woher Wuthaben und Gernhaben, ohne je eines zu wollen? Wenn du

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KREUZZUG GEGEN KETZER

 

Dreißig Jahre lang, von 1178 bis 1208, bekämpfte die römische Kirche die Katharer mit den Waffen eines zahnlosen Tigers. Päpstliche Legaten wurden nach Okzitanien entsandt, um sich ein Bild von der Lage zu machen, die Drahtzieher des Ketzertums zu identifizieren und sie unter Kirchenbann zu stellen. Gleichzeitig, und das zeugt zumindest von der Fähigkeit zur Selbstkritik, leitete sie weitreichende Reformen in den eigenen Reihen ein. Das vernichtende Urteil von Papst Innozenz III. über den südfranzösischen Klerus, das ich oben zitierte, war das Ergebnis einer

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WELTFLUCHT UND TODESSEHNSUCHT

 

In diesem Klima des Werteverfalls bot die Sekte, die konsequent alles Weltliche, Materielle ablehnte und in selbstgewählter Armut und Enthaltsamkeit lebte, ein glaubwürdiges Gegenmodell zum herrschenden Hedonismus an. Man bewunderte die Ketzer, weil sie so viel konsequenter waren als die der Füllerei verfallenen Pfaffen der römischen Kirche. In einigen Gebieten wurde das Katharertum trotz (oder gerade wegen) seiner Radikalität zu einer regelrechten Volksbewegung, die manchmal den Charakter einer Massenpsychose annahm. So durfte bei ihnen nicht einmal ein Vater seine Tochter trösten, denn jede Berührung einer Frau galt

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DIE KATHARER

 

Nur vier Jahre nach dem fatalen vierten Kreuzzug, der mit der Plünderung Konstantinopels endete, rief Innozenz III. (1198-1216), glanzvoll und genial, selbstbewusst, aber auch selbstherrlich wie kein anderer Papst des Mittelalters, zu einem neuen Kreuzzug auf. Doch der Feind saß diesmal nicht jenseits des Mittelmeeres, sondern inmitten eines christlichen Landes, im Süden Frankreichs. Ein ganzer Landstrich, so schien es, war dort einer Häresie verfallen. Das Pyrenäenvorland, das reiche Okzitanien, befand sich weitgehendst in den Händen der Katharer, einer Sekte, aus deren Selbstbezeichnung (griechisch katharoi, „die Reinen") und der volksetymologischen

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